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Sahneradweg!

Montag 02.05.2016; Kaiserslautern – Gérardmer; 244,9 km, 2372 hm

Vokkar:

OK, gestern die Etappe verkürzt, also heute: Die Königsetappe. Frisch erholt und mit ordentlich Rückenwind ging's auf Sahneradwegen entlang der Saar Richtung Vogesen. Wettertechnisch war also alles im grünen Bereich (sah vor einer Woche mit Schneeregen ja auch noch ganz anders aus). Und dann kamen sie, die Vogesen (endlich), sowas wie der französische Schwarzwald, also eher so bergauf. Schlecht für mich, gut für Olli, der da so ne Art Techtel-Mechtel mit Bergaufstrecken hat (wer ihn im Rennmodus kennt, der weiß Bescheid).

So haben wir es dann innerhalb des gesteckten Zeitlimits tatsächlich geschafft im (vermuteten) Zielort Gérardmer anzukommen. Nach weiteren 40 Minuten haben wir bei gefühlt 2°C auch den vereinbarten Treffpunkt mit den Kollegen, das Casino, gefunden. Das unmittelbar eingeleitete Telefonat brachte dann allerdings an den Tag, dass das Ziel nicht das Ziel war, sondern dass dieses 40 km westlich in Plombier-les-Bains liegen sollte. Derart auf die Probe gestellt haben wir unmittelbar die Suche nach einem geeigneten (also irgendeinem) Hotel eingeleitet. Das hat dann wenigstens geklappt und außerdem war so auch für Programm am eigentlichen Ruhetag gesorgt.

 

Olli:

Heute stand die Königsetappe der Hinfahrt an: Durch den gestrigen Zeitverlust waren über 240 km bis in die Vogesen zu fahren, um am Zielort die anderen Jungs zu treffen. Dank Rückenwind und schöner, geradliniger Saar- und Kanalradwege kamen wir gut voran und erreichten am späten Nachmittag endlich die Vogesen. Es passierte aber wieder, was wir in diesem Jahr eigentlich vermeiden wollten: Es wurde wieder zeitlich eng. So mussten wir zum Schluss noch die letzten Kräfte mobilisieren, um die Steigungen in den Vogesen, die uns bis auf 800 m Höhe führten zu überwinden. Gegen 21:00 Uhr erreichten wir endlich Gérardmer und wähnten uns im Ziel. Nach längerer Suche fanden wir auch die örtliche Spielbank, die als Treffpunkt auserkoren war. Volker rief bei Bernd an, um ihn über unsere Ankunft zu informieren. Halb durchgefroren und körperlich fertig für heute, beobachte ich Volker, wie sich plötzlich seine Gesichtszüge und -farbe veränderten. Den Witz, den wir noch vor ein paar Minuten gemacht hatten (hoffentlich gibt es den Ort nicht zweimal) bewahrheitete sich in der Form, dass wir wahrhaftig den falschen Ort erreicht hatten. Der Zielort lag etwa 48 km weit entfernt, also heute, bei einsetzender Dunkelheit per Rad nicht mehr erreichbar. Entsetzen, Unglauben – aber es half nichts: trotz heutigem  Informationsüberfluss hatten wir die entscheidende Email von Bernd wohl übersehen!

Wir entschieden uns daher zur direkten Hotelsuche, was glücklicherweise schnell gelang. Endlich aufwärmen und etwas essen und dann nur noch schnell ins Bett und das Unglaubliche nochmal Revue passieren lassen…

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Best Buddies ever

Dienstag 03.05.2016; Gérardmer – Plombier-les-Bains; 48,2 km, 434 hm (Ruhetag)

Vokkar:

Ja, eigentlich der Ruhetag...

… deshalb heute wenigstens nur zweistellig, dafür aber vor dem Frühstück.

Immerhin: Fast nur bergab, dafür aber noch immer saukalt.

Aber: Vor dem einsetzenden Regen am dieses mal richtigen Casino angekommen, konnten wir endlich Vollzug melden und zusammen mit den Kollegen ausgiebigst frühstücken (war eher so ne Art Druckbetankung).

Der Rest des Tages ist dann der notwendigen Regeneration gewidmet worden.

 

Olli:

Heute war neben der Kälte von etwa 5 Grad auch noch Regen für den Vormittag angesagt und so planten wir die Strecke zum Ziel so schnell und früh wie möglich hinter uns zu bringen. Eigentlich sollte ja heute der Ruhetag sein, aber das hatten wir ja wohl gestern versemmelt! Also ging es ohne Frühstück los. Die Strecke war zum Glück gut fahrbar und Steigungen blieben weitestgehend aus, wir konnten uns sogar über längere Bergab-Passagen freuen. So erreichten wir nach knapp zwei Stunden das Ziel, fanden erneut die Spielbank im Ort und trafen endlich die anderen Jungs. Bernd, Martin und Martin waren gerade aufgestanden, um mit dem Frühstück zu beginnen. Genau das hatten wir gehofft und so konnten endlich ein paar fehlende Kalorien in geselliger Runde wieder aufgefüllt werden. Kurz nach unserer Ankunft setzte dann der angekündigte Regen ein – also alles richtig gemacht heute!! Der Tag verlief dann auch weiter sehr nach meinem Geschmack: Film gucken, in der Stadt bummeln und abhängen und quatschen sowie abends grillen. Also endlich mal körperliche Erholung! Und das alles mit den besten Freunden!!

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mit schnellen Bananen zurück nach Hause

Mittwoch 04.05.2016; Plombier-les-Bains – Sarreguemines; 191,5 km, 1316 hm

Vokkar:

Leider und vor allem „schon“ Rückfahrt. Gerne hätte ich noch einen Tag länger alle Speicher wieder voll geladen und die Beine hochgelegt. Aber so hat's auch für immerhin 2/3 der 1. Bergab-Etappe gereicht. Mit Vollgas ging's also zurück aus den Vogesen entlang des bereits bekannten Saar-Kanal-Radweges. Diesmal dann leider mit Gegenwind. Gekrönt wurde dieser Tag dann mit einer 1 ½ stündigen und 20 km langen Suche nach einer geeigneten (also wieder irgendeiner, man wird demütig) Unterkunft. Diese haben wir dann durch auffinden eines „Loches“ am Saargemünder Hauptbahnhof beendet. Für mich ein Tag ohne Höhen und Tiefen, Olli sollte allerdings mal an seiner Nahrungsaufnahme feilen, nur Salat und klares Wasser in den Bidons ist evtl. nicht der korrekte Treibstoff für die Langstrecke ;-)


Olli:

Am nächsten Tag mussten wir nach einem ordentlichen Frühstück bereits wieder unsere Sachen zusammenpacken und uns von den Freunden verabschieden. Viel zu schnell war der Aufenthalt vorbei und wir mussten wieder rauf aufs Rad! Zum Glück war das Wetter spitze: Sonne pur! Die ersten Kilometer konnten wir auch noch mit voller Power abspulen, aber dies blieb leider nicht auf Dauer so. Nach den ersten Stunden merkte ich dann doch, dass die Erholung nicht nachhaltig war. Auch der Wind hatte sich in einen ordentlichen Gegenwind verwandelt und kostete und zusätzlich Zeit und Körner. Auch das Essen wurde bei mir knapp und ich musste Volker immer wieder nach Riegelnachschub fragen, um wieder nachzutanken. Schlauerweise hatte ich mir keine zugelegt! Nach 191 Kilometern erreichten wir Saargemünd - mehr war heute nicht drin, da wir erst vormittags gestartet waren. Auch die Hotelsuche gestaltete sich abends sehr schwierig, in den französischen Dörfern ist echt der Hund begraben (wenn überhaupt), da freut man sich schon über Menschen auf der Straße, die man fragen kann. Daher waren wir letztlich froh, ein zwar nicht gerade schönes aber immerhin bezahlbares Doppelzimmer mit Dusche gefunden zu haben. Mehr als Dusche, Toilette und Bett braucht der Langstreckenfahrer ja eh nicht.

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Noch immer bei den 'Zosen

Donnerstag 05.05.2016; Sarreguemines – Mainz; 187,5 km, 1504 hm

Vokkar:

Chr. Himmelfahrt in Deutschland, so sah der Plan vor, extra früh aufzubrechen und das Frühstück im Hotel durch einen günstigen Einkauf im Supermarkt zu ersetzen, bevor wir ins feiertägliche Deutschland zurückkehren. Guter Plan, wenn nicht auch in Frankreich Feiertag gewesen wäre. So hieß es also ohne Frühstück und bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt erstmal Verpflegung zu suchen, was uns dann nach 30 km im Bistro einer Aral-Tankstelle gelang. Endlich mit den notwendigen Kilokalorien versorgt ging es dann los weiter Richtung Heimat. Die Vorhersage versprach Wetterhöchstleistungen nur meine Beine wollten heute so gar nicht in Schwung kommen. So fuhren wir also mit mäßig Tempo durch das Saarland ohne besondere Vorkommnisse. Die Weinstrasse hatten wir aber nicht ganz für uns alleine und so mussten wir einigen motorisierten Verkehrsteilnehmern den Asphalt teilweise mit expliziten verbalen Erläuterungen abringen.

Im Laufe der Fahrt bekam Olli dann leider Knieprobleme und so haben wir den zuvor von mir geäußerten Plan bereits in Mainz Station zu machen umgesetzt, immerhin mit einem echten Happyend in der dortigen Jugendherberge. Das Salatbuffet zum Abendbrot hat uns nachhaltig beeindruckt.


Olli:

Für heute hatten wir uns vorgenommen richtig weit zu kommen, um vielleicht noch am Freitag, also in zwei Tagen, die Heimat zu erreichen. So klingelte der Wecker schon um 6 Uhr und wir verzichteten auf das Frühstück, um schon gegen 7:30 auf dem Rad zu sitzen. Dies erwies sich allerdings als Fehler, denn wir mussten feststellen, dass nicht nur in Deutschland sondern auch in Frankreich heute Feiertag war. Die erste Verpflegung (Frühstück wäre fast zu viel gesagt) nahmen wir daher in einer Tankstelle zu uns, was die Laune nicht wirklich verbesserte. Darüber hinaus war es arschkalt, in der kalten Nacht gab es sogar Frost. Es ging dann aber weiter und die ersten 100 Kilometer ließen sich ganz gut abspulen. Ich merkte aber langsam, dass mein Körper mit der Daueranstrengung seine Probleme hatte: neben erheblichen Schmerzen beim Sitzen kamen Knieprobleme dazu. Diese nahmen leider ständig zu, sodass ich etwa 20 km vor Mainz kaum noch fahren konnte. Ein übergewichtiger MTB-Fahrer, der mich dann überholte war auch nicht unbedingt motivierend. Aber irgendwie schaffte ich es mit einem 15er Schnitt nach Mainz und wir erreichten eine geniale Jugendherberge. Der Tag nahm dann doch noch ein sehr schönes Ende, denn wir erhielten sowohl ein kleines aber feines Zimmer als auch ein fürstliches Abendessen für wenig Geld.

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Moment der Trennung in Kelkheim

Freitag 06.05.2016; Mainz – Kirchlotheim (Eder); 201,6 km, 1973 hm (oder eben Dortmund direkt)

Vokkar:

Pünktlich in Mainz gestartet haben wir nach Verlassen der Stadtgrenze zunächst eine Apotheke aufgesucht, um Olli's Knie zu versorgen. Leider gelang dies nur temporär und so war der Umstieg in die Bahn in Kelkheim zwingend. Etwas traurig war er ja schon dieser Moment aber sicher die bessere Entscheidung.

Für mich hieß es nun alleine auf und über den großen Feldberg und darüber hinaus zu fahren. Temperaturmäßig war dieser Tag eine echte Herausforderung und körperlich machten sich bei mir auch die ersten Verschleißerscheinungen bemerkbar. Die linke Achillessehne hatte nicht mehr ganz so viel Freude am runden Tritt wie ihr Besitzer. Immerhin habe ich es zum selbstgesteckten Ziel der Jungendburg Hessenstein hinter Frankenberg geschaftt. Leider jedoch nur, um festzustellen, dass diese vollständig ausgebucht war. Also Standardprogramm abrufen und auf Unterkunftssuche gehen. Diese fand in Kirchlotheim im Landgasthof Wolf ihr ebenso erfolgreiches wie positives Ende. Und das Beste war: Es blieben nur noch gut 100 km bis ins Ziel.


Olli:

Das Frühstück in der Jugendherberge in Mainz war nicht weniger fürstlich als das Abendessen von gestern und so ging es gestärkt los. Meine Befürchtungen bezüglich meines angeschlagenen Knies erwiesen sich leider als zutreffend. Trotz Salbe aus einer Apotheke, die wir noch besorgten, konnte ich nur langsam und vorsichtig fahren. Dazu merkte ich, dass ich insgesamt sowohl körperlich als auch mental ziemlich am Ende war. In Kelkheim nach etwa 30 Kilometern entschied ich mich dann schweren Herzens zum Ausstieg. Aber alles andere wäre wohl ziemlich unvernünftig gewesen. So verabschiedete ich mich von Volker, der dann (absolut richtig) ohne mich weiterfuhr. Ich wartete auf den nächsten Zug nach Frankfurt und war doch auch ein wenig erleichtert, dass die Schinderei, die das heute für mich war, ein Ende hatte. Nach dem Umstieg in Frankfurt erreichte ich nachmittags Hagen, wo ich dann noch ein paar Kilometer nach Dortmund radeln durfte. Im gemächlichen Tempo war das aber zu schaffen und ich erklomm die Syburg und erreichte endlich wieder mein zuhause!

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Treeeeiiiibstofffff für den Endspurt

Samstag 07.05.2016; Kirchlotheim (Eder) – Holzminden; 106,1 km, 636 hm

Vokkar:

Nach der gestrigen Verabredung mit Siggi uns auf der Strecke zu treffen, ging es mit einem grandiosen Frühstück im Magen nochmal in den Sattel (der in den letzten 7 Tagen eine recht innige Beziehung mit meinem Hintern eingegangen ist). Inzwischen war das tägliche Abspulen von Asphaltkilometern so etwas wie eine notwendige Pflicht geworden. Hinfort all der Spaß und die Freude am Radeln an sich, nur noch die Aussicht auf das nahe Ziel hielt mich am Lenker. Und die Kilometer alleine abzuradeln machte die Sache nicht eben besser. So war die Freude groß, als ich kurz hinter der Autobahnauffahrt Warburg den Siggi am Horizont sehen konnte. Und nach kurzem Austausch der wichtigsten Eckinformationen (schließlich hatte Siggi nen neuen Epic S-Works Rahmen) ging's flugs in seinem Windschatten Richtung Weser. Dort dann eine letzte Brotzeit und die Ankunft auf dem Holzmindener Marktplatz der Familie angekündigt.

Und so hat dann eine für mich echte Gewalttour ihr wunderbares Ende gefunden.

Alles in Allem ein echtes Erlebnis ohne eine einzige Panne, bei besten Wetter- und Windbedingungen mit allem was für mich dazu gehört.

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Flasche leer

Fazit 

Vokkar: Das war eine echte Grenzerfahrung für mich und ob ich das nochmal brauch kann ich in frühestens 6 Monaten entscheiden.


Olli: Super Erlebnis und eine echte Grenzerfahrung! Radfahren in seiner gesamten Bandbreite: Genuss pur (zum Glück über weite Strecken) bis Schinderei! Bei der nächsten Langstreckentour aber gerne etwas kürzere Etappen und immer ein paar Riegel im Rucksack!

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Horst-Challenge


Freunde wir haben's geschafft. 
Die Horst Challenge ist vorbei und trotz mäßiger Beteiligung hatten wir heute jede Menge Spaß im Matsch.
Und ich kann ein echt positives Fazit ziehen:
- diverse KOM's pulverisiert
- BRT-Youngster bereits in TOPFORM
(uns alten Säcke haben se jedenfalls amtlich verblasen)

So können wir bestens vorbereitet in die Saison starten und dem Warm-up in Hellental gelassen entgegensehen. Da dürften einige Pokale für's Team drin sein.
Das BRT entwickelt sich so langsam zur echten regionalen Macht im MTB-Sport.

Gar nicht so übel für ne Modeerscheinung ;o)

Vokkar

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Erstellt von Bornekamp Racingteam